TPD
Neubau Produktions- und Verwaltungsgebäude, Dunningen
Fertigstellung 2021 . Bearbeitung LP 1-8
Preise . best architects 25 . Gewinner // HUGO HÄRING Preis 2023/ 2024 . Auszeichnung //Industriebaupreis 2022 . Anerkennung // BAUWELT PREIS 2023 Das Erste Haus . Engere Wahl
Baukörper und Konstruktion . Das neu errichtete Firmengebäude wirkt mit seinem klaren, präzisen Baukörper ordnend auf die heterogene Umgebung. Die Funktionen der Produktion und Verwaltung sind je nach Raumhöhenanforderung gebündelt in zwei Baukörpern zusammengefasst.
Die Verwaltung mit ca. 800 qm ist in einem zweigeschossigen Massivbau um einen begrünten Innenhof konzipiert. Der Innenhof schafft einerseits Aufenthalts- und Arbeitsplatzqualität und gewährleistet andererseits für die industrielle Produktion eine räumlich selbstverständliche Verbindung von „Blue und White Collar“. Der Hof wirkt hierbei als räumlich verbindendes Element zwischen den Produktionsbereichen im Erdgeschoss und den Verwaltungsarbeitsplätzen im Obergeschoss.
Die Produktion ist auf einer Grundfläche von ca. 4000 qm organisiert. Eingespannte Stahlbetonstützen tragen hier ein aufgelöstes Stahltragwerk aus Fachwerkbindern. Das Dach erhält durch drei aufgesetzte Sheddächer eine rhythmisch bewegte Silhouette und schafft große zusammenhängende Dachflächen, welche zur Anordnung einer Photovoltaikanlage genutzt werden. Die tiefliegenden Dachbereiche sind aus Profilglas in Kombination mit Lamellenfenstern und Oberlichtern zur Gewährleistung einer gleichmäßigen Belichtung. Durch die Gebäudestaffelung und die mäandrierende Dachlandschaft entsteht eine markante Gebäudetypologie, welche das Unternehmen in Szene setzt und das Firmengebäude der Trautwein Präzisionsdrehteile GmbH von den Nachbarbebauungen klar absetzt.
Ökonomie . Der Material- und Produktionsfluss wurde in der Gebäudeorganisation linear abgebildet. Die Warenanlieferung erfolgt witterungsunabhängig über eine tiefe, stützenfreie Auskragung. Ein Portalkran im Produktionsbereich minimiert die Bestückungs- und Umsetzungszeiten der Maschinen. Der vom Wareneingang getrennte Auslieferungsbereich am Ende der Lager- und Montagebereiche gewährleistet über moderne Ladebrücken einen kreuzungsfreien Warenversand.
Architektonischer Ausdruck . Im Sinne einer aussagekräftigen und markenbildenden Architektur steht die präzise gefügte Metallfassade für den Hauptwerkstoff des metallverarbeitenden Betriebes, sowie dem hohen Qualitätsanspruch, die Präzision und das Know-how des Unternehmens. Die heterogenen Funktionen der Baukörper Verwaltung und Produktion sind an der Fassadenhaptik ablesbar. Während die Fassadenmaterialität der Produktionshalle über eine tiefe vor- und zurückspringende Stahl-Trapezblechverkleidung mit horizontaler Schichtung gegliedert wird, setzt sich die Verwaltung mit einer glatten, präzise gefügten Aluminium-Metallfassade in seiner Flächigkeit bewusst ab. Dabei erscheint die Metallfassade der Produktion als leichtes, textiles Fassadenkleid, während die Verwaltung als monolithisches Gegenstück erscheint. Die horizontale Schichtung der sich wechselnden Positiv- und Negativlagen der Trapezblechfassade nehmen dem Produktionsgebäude die Höhe und schaffen abgestimmte Übergänge zwischen den Baukörpern. Zur Straße hin markieren drei „Werkfenster“ eine Hauptseite. Die großflächige Verglasung ermöglicht einen Einblick in die Produktion und vermittelt Offenheit und Transparenz.
Energie . Besonderes Augenmerk wurde auf eine hocheffiziente thermische Gebäudehülle und eine energiesparende Gebäudetechnik gelegt. In der Heizperiode kann durch wasserbasierte Kühlung an den Drehmaschinen bedarfsweise Abwärme in das Heizsystem eingeleitet werden. Im Sommer wird das Temperaturniveau in der Produktion thermisch begrenzt, indem die Produktionsabwärme durch überwiegend freie Lüftung und Flächenkühlung über einen thermisch aktivierten Hallenboden abgeführt wird. Sofern die Außentemperatur keine freie Lüftung ermöglicht, kann bedarfsweise die mechanische Abluft mit Wärmerückgewinnung bzw. mit adiabatischer Verdunstungskühlung betrieben werden. Der Energiebedarf des Gebäudes unterschreitet die Anforderungen eines KfW-40-Effizienshauses. Durch „Peak-Shaving“ – dem Abpuffern von Stromspitzen durch Photovoltaik und Stromspeicher – kann ein nennenswerter Anteil des Eigenenergiebedarfes gewonnen und direkt für den Produktion- und Verwaltungsbereich genutzt werden.
Bildnachweis . Brigida González, Stuttgart
Ausstellungen . DAM Frankfurt 03.2023 // Architektur Galerie Berlin 07.2023
Publikationen . best architects 25 // Magazin "Portal" Firma Hörmann // Baunetz















